19. Juli 2007

Bundesregierung verweigert Zulassung von Medikament für Schwerstkranke

Postkartenaktion wirbt für Gesetzesgrundlage der heroingestützten Behandlung


Anlässlich des 9. bundesweiten Gedenktages am 21. Juli 2007 für verstorbene Drogengebraucher/innen fordert die Niedersächsische AIDS-Hilfe Landesverband e.V. (NAH) eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes, um Heroin für die Regelbehandlung von Opiatkonsumenten zuzulassen.

„Der Erfolg dieser Behandlungsform für Schwerstabhängige ist im Modellversuch wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen", erklärte Jörn Jan Leidecker vom Vorstand der NAH. „Die Überlegenheit der Heroinbehandlung gegenüber Methadon ist in beiden Hauptzielkriterien signifikant, nämlich bei der Verbesserung des Gesundheitszustandes und beim Rückgang illegalen Drogenkonsums. Nach England und der Schweiz muss jetzt in der Bundesrepublik die Zulassung als verschreibungsfähiges Medikament folgen“.

Warum bislang das Studienergebnis folgenlos blieb und nicht zu einer Veränderung des Betäubungsmittelsetztes führte, bleibt unverständlich angesichts der überwältigenden Einhelligkeit von Wissenschaft, Fachverbänden der Aids- und Drogenarbeit, des Städtetages und der eindeutigen Haltung der vier niedersächsischen Landtagsfraktionen in Bezug auf die Fortsetzung der heroingestützten Behandlung als Angebot der kassenfinanzierten Regelversorgung. Besonders begrüßt die NAH den Beitritt der Landesregierung zur Bundesratsinitiative der Länder Hessen und Hamburg.

Die Änderung des Arzneimittelgesetzes hängt zurzeit von der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag ab. Daher werben die Niedersächsischen AIDS-Hilfen rund um den diesjährigen Gedenktag mit einer bundesweiten Postkartenkampagne um die Unterstützung von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. "Eine ideologisch geprägte Auseinandersetzung zu Lasten Drogen gebrauchender Menschen auszutragen, ist nicht akzeptabel“, erklärt Leidecker. Darum fordert er die Bundesregierung auf, ihrer Verantwortung für die Gesundheit aller nachzukommen und unverzüglich Heroin als notwendige Therapiealternative zuzulassen.

Hintergrundinfos zum Gedenktag:
Allein in 2006 waren bundesweit 1.296 Drogentote zu beklagen. Um ihrer zu gedenken wurde der 21. Juli zum alljährlichen „Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher/innen“ ausgerufen. Aids- und Drogenhilfen, Gruppen des Selbsthilfenetzwerks JES - Junkies, Ehemalige und Substituierte, Eltern, Angehörige und Freunde/Freundinnen von Drogenkonsument(inn)en sowie Aktionsbündnisse zeigen den dringenden drogenpolitischen Handlungsbedarf im Rahmen des Gedenktages in über 40 Städten (z.B. in Frankfurt, Hannover, Wuppertal, Hildesheim, Stuttgart, Berlin, Bonn oder Hamburg) mit Mahnwachen, Informationsveranstaltungen, Gottesdiensten, Trauermärschen und andere öffentliche Kundgebungen an.

Kontakt:
Niedersächsische AIDS-Hilfe (NAH), Jörn Jan Leidecker, Vorstandsmitglied, Tel. 05 11- 306 87 87,
Mail: info@niedersachsen.aidshilfe.de



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